Andacht 18.2.’25
„Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“
(Matth. 6,12)
Wie oft haben wir diesen Satz wohl schon ausgesprochen? Natürlich weiß jeder wo wir ihn finden…….. nämlich im Vaterunser, dem „Mustergebet“ Jesu für uns. Es ist das einzige Gebet welches er direkt an seine Nachfolger – im Sinne eines „Beispiels/Leitlinie“ – addresiert. Die anderen Gebete, wie z.B. das hohepriesterliche Gebet in Johannes 17, sind seine persönlichen gewesen. In diesem Kontext, wurde mir vor nicht allzulanger Zeit etwas sehr wichtiges bewusst. Jesus hat uns im Vaterunser die bedeutsamsten Punkte – DAS was in einem Gebet stets berücksichtigt werden sollte – in einer Kurzversion hinterlassen. Es geht nicht darum, dieses Gebet liturgisch runterzuexerzieren wie bei einem militärischen Drill, sondern Jesus wollte uns die wesentlichen Punkte klar vor Augen führen. Und wie wir unschwer erkennen können, gehört das Thema Vergebung zu den absoluten Kernpunkten im Leben eines Christen.
Doch was steckt dort wirklich dahinter? Aus welcher Perspektive betrachtest Du diesen Satz? Leider gibt es eine weit verbreitete Gewohnheit unter uns Menschen, nämlich dass wir selektiv hören, sehen und wahrnehmen. Was bedeutet das? Etwas selektiv zu betrachten, bedeutet eine Sache einseitig oder wählerisch zu betrachten. Wir selektieren…… also suchen bzw. picken wir uns etwas raus, ohne das gesamte zu betrachten. Beispiel:
Du sagst deinem Kind dass es nach der Schule erstmal Mittagessen muss, dann Hausaufgaben, danach Zimmer aufräumen und dann darf es raus zum spielen. Am Abend stellst du fest dass die Hausaufgaben nur zur Hälfte gemacht wurden und das Zimmer gar nicht aufgeräumt wurde. Stattdessen war es den ganzen Nachmittag draussen beim spielen.
DAS ist selektives hören. Ich picke mir raus was ich hören möchte……. den Rest werf ich weg. Was aber hat das mit dem obigen Vers aus dem Vaterunser zu tun? Nun, sehr viel. Wir Menschen machen uns im Leben oft schuldig. Mit Schuld lebt es sich nicht unbedingt leicht, also gehen wir im Gebet zu GOTT und bitten um Vergebung – was auch völlig richtig ist. Doch genau an diesem Punkt möchte ich anknüpfen. Wie wir unschwer feststellen können, ist das Vaterunser hier an eine Bedingung geknüpft. Wenn du Vergebung möchtest, dann geht der HERR davon aus dass du ebenso auch denen vergibst, die an dir schuldig geworden sind. Ist nicht genau DAS der Knackpunkt?
Wir haben tausend Gründe und Ausreden um unserem Nächsten nicht zu vergeben. Gründe wie z.B.: „Der macht das absichtlich…….. der will es nicht anders…….. der provoziert…….. der macht es schon zum zehnten mal u.s.w.“ Ok soweit. Das kann durchaus der Fall sein und ein absolut reales Bild widerspiegeln. Doch jetzt meine Frage:
Wurde Jesus absichtlich geschlagen und ausgepeitscht? JA!
Wurden Jesus von der damaligen religiösen Elite absichtlich Fallen gestellt? JA!
Wurde Jesus absichtlich verhöhnt und gekreuzigt? JA!
Was war seine Antwort zu alledem, als er völlig entkräftet am Kreuz hing?
„Vater, vergib ihnen…….“
Freunde, Vergebung – wenn jemand an uns schuldig geworden ist – ist in erster Linie für uns selbst wichtig!
Warum? Wenn du Groll, Hass, Wut oder Zorn über Tage, Wochen oder Jahre mit dir schleppst, wird es NICHT denjenigen der an DIR schuldig geworden ist zermürben, sondern DICH.
All die negativen Dinge wie Hass, Zorn oder Wut, haben eine unmittelbare Auswirkung auf den Menschen. Sie schwächen – und machen ihn krank. Das ist in der Psychologie seit langem bekannt. Umso erstaunlicher ist dieser Part im Vaterunser. Warum? Weil der HERR uns in doppelter Hinsicht schützen und segnen will. Nämlich:
Wir erhalten Vergebung……… was für uns sehr heilsam und wichtig ist – UND – wir vergeben damit wir nicht krank werden. Ein doppelter Segen!
Vergebung ist ein essenzieller Part im Leben jedes Gläubigen. Wer nicht vergeben kann, schadet sich in doppelter Hinsicht. Jesus hat uns gezeigt wie echte Vergebung funktioniert. Mit und durch SEINE Kraft, werden wir in der Lage sein jedem, auch wirklich alles zu vergeben. Mit welch unglaublichem Beispiel ist uns doch unser Erlöser vorangegangen! Inmitten seiner Peinigung auf Golgatha, blickt er vom Kreuz mit liebevollen, mitleidigen Augen auf seine Peiniger herab und ruft im gleichen Augenblick zu seinem himmlischen Vater: „Vergib ihnen!“
Möge der HERR uns auch heute die nötige Kraft und Liebe geben, damit wir uns als würdige Nachfolger erweisen.