Andacht 24.10.’24
„Und es begab sich am folgenden Tage, dass er in eine Stadt namens Nain ging, und mit ihm zogen seine Jünger und eine große Volksmenge. Wie er sich aber dem Stadttore näherte, siehe, da wurde ein Toter herausgetragen, der einzige Sohn seiner Mutter, und sie war eine Witwe; und viele Leute aus der Stadt begleiteten sie. Und als der Herr sie sah, erbarmte er sich ihrer und sprach zu ihr: Weine nicht! Und er trat hinzu und rührte den Sarg an; die Träger aber standen still. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, stehe auf! Und der Tote setzte sich auf und fing an zu reden; und er gab ihn seiner Mutter.“
(Luk. 7, 11-15)
Ein ganz „normaler“ Alltag. Jesus ist unterwegs, so wie er es Tag für Tag gewohnt war. Unterwegs, um das Evangelium mit machtvollen Worten und Taten, in aller Kraft und Vollmacht zu verkündigen. Doch plötzlich hält er inne, als sich ihm am Stadttor von Nain ein Trauerzug nähert, dessen Ziel natürlich der Friedhof war. Ein großer Zug, voller trauriger verweinter Gesichter, deren Hilflosigkeit und Ohnmacht man direkt spüren konnte. Was war passiert?
Eine Frau, die bereits ihren Mann verloren hatte, befand sich gerade im Begriff auch ihren Sohn zu Grabe zu tragen. Worte können dieses Leid nicht beschreiben.
„Als der HERR die Witwe sah, wurde er von tiefem Mitgefühl ergriffen. „Weine nicht!“, sagte er zu ihr.“ (Luk. 7, 13)
Ich möchte mal eben bei folgenden zwei Worten stehenbleiben. Tiefes Mitgefühl.
Heute noch ein Thema? Wie oft hört man – wenn jemand von einem schrecklichen Schicksalsschlag getroffen wird – in Radio und Fernsehen: „Unser Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen…..“oder „Wir trauern gemeinsam mit der Familie……..“ usw. Wirklich? Ich hab vielmehr die Vermutung, dass es sich in den meisten Fällen um nichts weiter als eine formale, öffentliche „Pflichterfüllungsfloskel“ handelt, die zur guten Manier der Politik gehört. Nicht selten werden solche Schicksalsschläge sogar als politisches Instrument missbraucht, um eigene Ziele und Pläne zu verfolgen. Zurück zum Trauerzug. Was tut Jesus? Tröstet er sie mit den Worten „Hier, ich hab einen ganzen Beutel voll Geld für dich?“
Oder vielleicht: „Kopf hoch, am jüngsten Tag wird er auferstehn?“ Nein, das sagt er auch nicht. Vers 13 sagt: „Da erbarmte sich Jesus.“ Erbarmen setzt Mitleid voraus. Wie geht es uns heute? Kennen wir dieses Gefühl überhaupt noch? Mitleid mit jemandem zu haben? Oder blenden wir sowas vollständig aus? Was passiert wenn jemand unter Alkoholeinfluss gegen den Baum rast und stirbt? „Selber schuld“……oder? Was passiert wenn jemand sich mit der Kreissäge in die Hand sägt? „Selber schuld, wenn er Sicherheitsvorschriften missachtet……..“ hör man da oft.
Freunde, wir leben heute in einer furchtbar egoistischen und von Selbstsucht geprägten Gesellschaft, die uns nichts weiter als Oberflächlichkeit lehrt. Das ganze Leben findet nur noch an der Oberfläche statt. Wer geht noch in sich, denkt nach, wer sucht noch die Tiefe, den Kern? Worum geht es denn tatsächlich im Leben? Was ist der wahre Sinn meiner Existenz? Erfüllen mich Partys? Oder lebe ich von einem Urlaub zum nächsten? Gibt mir vielleicht Hollywood mein Selbstbewusstsein, oder irgendeine Rockband? Jesus geht zur Witwe, stoppt den Zug, berührt den Sarg – und sagt dann zum Jüngling: “Steh auf!“ DAS ist Mitleid, DAS ist Erbarmen, DAS ist Barmherzigkeit, DAS ist Liebe! DAS ist JESUS! Der Schöpfer geht nicht an deiner Trauer vorbei……..sondern hält inne und möchte dir Trost, Hoffnung und Freude schenken. Mehr als das, er will dir Leben schenken! Ewiges, NIE endendes Leben!
Warum nur wird er so sehr abgelehnt in dieser Welt? Es gibt absolut NICHTS und NIEMANDEN, dem DU mehr bedeutest. Das heftige ringen im Garten Gethsemane, die brutalen Peitschenhiebe im Hof des Pilatus, die gewaltigen Nägel durch seine Hände und Füße auf Golgatha…….haben wir das alles schon vergessen? Haben wir vergessen welch unsagbares Leid er durchmachte, ohne auch nur in einem einzigen Punkt schuldig gewesen zu sein? Haben wir schon vergessen, dass ER genau DAS empfangen hat was WIR verdient haben – und wir genau DAS empfangen dürfen, was ER verdient hätte?
Mein geschätzter Freund, glaub mir, Jesus geht definitiv NICHT an deiner Trauer, deinem Kummer und deinem Schmerz vorbei. Jede Träne auf deiner Wange ist in den himmlischen Büchern verzeichnet. An jeder Ungerechtigkeit die gegen dich verübt wird, nimmt der Himmel Anteil und schreibt ALLES nieder!
Vieles was in unserem Leben geschieht, verstehen wir nicht. Die Frage nach dem Leid ist allseits present. Doch lasst uns bitte NIE vergessen: Leid läutert. Eines ist gewiss: Auf der neuen Erde, werden wir für vieles was wir heute NICHT verstehen, unserem kostbaren Erlöser voller Freudentränen auf Knien danken. Würden wir NICHT durch diese oder jene Schule GOTTES gehen, könnte der HERR die Schlacke vom edlen Gold nicht trennen – und wir würden auf der Strecke bleiben. Die wahre Tragweite des Läuterungsprozesses werden wir erst in der Ewigkeit verstehen.
Denke nicht dass es unserem Schöpfer egal ist ob du traurig bist, niederschlagen, oder ob du leidest und der Schmerz dir die Luft zum atmen nimmt. Sei gewiss, er leidet mit. Nicht wie manch Politiker – mit bloßen Worten – sondern wie ein Schöpfer der dich schuf, und nur dein BESTES will. Er leidet wie ein Vater und eine Mutter, die bei ihrer eigenen „Schöpfung“ – also ihrem eigenen Kind – Kummer, Schmerz und Trauer mit ansehen müssen Jesus wird ALLES tun, um dich zu retten. Nur deinen Willen, den wird er nicht manipulieren. Wenn du nicht möchtest, kann er auch nichts tun. Ich freu mich schon gewaltig auf DEN Tag, an dem ich DEN, der für mich gelitten, gebetet, gerungen – und bis zum letzten Atemzug gekämpft hat – endlich von Angesicht zu Angesicht sehen darf. Freust du dich auch?
Möge der Geist GOTTES unsere Sehnsucht nach IHM täglich steigern.